Trend. Wer beeinflusst wen?

von Leichtmatrose Hannes | Dienstag, 1. August 2006, 21:00

Heute veröffentlichte Pia in ihrem Blog ein Statement zu dem häufig diskutierten Thema “Trends”.

Ich bin neugierig. Das ist eine Eigenschaften, die mich schon sehr viel hat erleben lassen. [...] Als mir jeder erzählen wollte, dass sich nur Idioten und Assis Piercen lassen, bin ich los gerannt und hab mich Piercen lassen. Gleich dreimal.

Wieviele Leute gibt es, die sich auf die Frage hin »Welche Musik hörst Du?« oder »Wie ist Dein Klamotten-Stil?« klar von Trends distanzieren. Ich glaube, viele.


Die Hingabe für T*kio Hot*l gilt spätestens in Kreisen des Bildungsbürgertums für verwerflich. Die geschmackliche Neigung für »Upper class Brandings«, wie H*lfiger oder R*lph Lauren sind wiederum in gegenteiligen Milieus verrufen. Ich glaube, die wenigsten, die sich über den Sinn des Lebens schon mal Gedanken gemacht haben und sich selbst als Individualist bezeichnen, würden jemals zugeben, einem Trend bewusst oder unbewusst zu folgen. Die Begründung liegt meines Erachtens in der Angst, vor sich selbst zuzugeben, durch die Nachahmung eines Trends seine Individualität zu verlieren.

Ich mache mir Sorgen. Trends werden nicht nur von Brandings oder Industrien geschaffen, sondern sie werden von Menschen für Menschen geschaffen, nicht selten ohne kommerziellen Hintergrund. Jedoch nur der erfolgreiche Trend wird als solcher betitelt. Das heißt, es gibt genügend Menschen, die sich in der Marschrichtung ihres Konsums anpassen und den Trendsettern nach der Nase tanzen. Aber tun sie es wirklich? Ist es nicht vielmehr so, dass Menschen durch die Bereitwilligkeit einen Stil anzunehmen, überhaupt erst ermöglichen Trends zu setzen? Ich glaube schon.

Der Mensch fühlt sich wohl in der Bestätigung durch andere Menschen und schließt sich dem Kollektiv an, weil er ein »Gruppentier« ist. Der Gruppenzwang kommt nicht von irgendwo. Und genau deshalb haben Kollektive Erfolg.

Meiner Meinung nach ist nicht der Individualist einen Schritt weiter, der sich dem Kollektiv widersetzt, sondern derjenige, der einem Trend bewusst folgt und dennoch die Gabe hat, sich dessen bewusst zu sein und selbstbewusst zu behaupten, ich folge dem Trend, weil er mir gefällt.

P.S.
Wusste Ihr, dass der Satz »Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin …« nicht von Brecht stammt?

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2 Antworten zu „Trend. Wer beeinflusst wen?“

  1. Karo schrieb

    am 1. August 2006 um 23:35:

    Interessante These, der letzte Absatz gefällt mir.

    Ich mache das was mir gefällt. Wenn Kommerz dabei ist, warum nicht? Hauptsache mir gefällts. Irgendwo muss man sich ja seine Ideen herholen, das geht halt nur über die jeweils gültigen “Trends”. Und wenn man sie auch nur nutzt um sich davon abzugrenzen, “Trends” haben immer einen Einfluss.

  2. Falco schrieb

    am 2. August 2006 um 16:27:

    Ich finde es nicht sonderlich verwerflich, Trends mitzumachen. Manche Sachen machen Spaß und wenn jemand draufkommt – warum nicht teilhaben? Jedem das, was ihm gefällt. Ich kann Menschen verstehen, die sich Trends widersetzen. Das habe ich auch und oft gemacht, weil mir manche Dinge nicht einleuchten (aber des Inhalts, nicht des Widersetzens wegen). Und manche Trends macht man mit, weil es Spaß macht. War die Fußball-WM nicht auch ein Trend? Auch ich wurde Experte…und das ist völlig ok so.

    Den Ausraster von Fräulein Pia finde ICH aber ein bissl unangebracht. So schlimm ist die ganze Sache dann auch wieder nicht…

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