Lebensabschnittsende

von Leichtmatrose Hannes | Samstag, 20. Januar 2007, 17:49
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Wer ein paar Leute kennt, die zur Zeit ihre Ausbildung machen, wird vielleicht auch mitbekommen haben, dass in diesen Tagen die mündlichen Prüfungen der Industrie- und Handelskammern stattfinden. So war dann am vergangenen Donnerstag auch meine.
Die Vorbereitung lief sehr schmalspurig. Ich hoffte, den theoretischen Stoff von der schriftlichen Prüfung im November noch drauf zu haben und was ich praktisch jetzt nicht kann, kann ich einen Tag vorher auch nicht mehr lernen. So ging ich also in die Prüfung.
Termin war um 10:00 Uhr, ich kam ca 9:45 im Prunkhaus der IHK an. Ich betrat den Saal – ein Foyer im Baustil der guten späten 70er mit wenig eleganter Ledersitzgruppe zur Rechten, marmorumfasstem Empfangstresen zur Linken und rotem Teppich. Ich solle nur die Treppe hoch, den Gang folgen und in der dort befindlichen Sitzgruppe platz nehmen. Ich schritt also das erste Mal in meinem Leben einen roten Teppich entlang in Richtung meines… Glücks?
Die Sitzgruppe stand dort, eingemauert in Prospektständer mit Broschüren über Unternehmensgründung. Es kann ja nicht schaden, sich plakativ mit diesen Flyern einzudecken und bediente mich reichlich, mit der Hoffnung, dass die Prüfer es sehen würden. Nach ca 5 Minuten steckte die Prüferin ihren Kopf aus der Tür: SIND SIE DER HERR HANNES? Der bin ich in der Tat. “Machnse mal hier rüber!” Ich stand auf, folgte ihr in ein Zimmer, in dem ein Konferenztisch stand, auf dem für jeden Platz Kaffee gedeckt war. Ich bekam zwei Aufgabenzettel vor den Latz geknallt, mit den Worten “Hier! Könnse sich entscheiden. Sie hamn jetzt fufzehn Minuten” Ich entschied mich für Aufgabenzettel Zwonull und fing an mir Notizen zu machen. Die Aufgaben lagen mir sehr. Ich krakelte auf meinen Zetteln, schenkte mir dreister Weise Kaffee ein, stand am Fenster und beobachtete die Autos auf der Straße. Die erste Rushhour schien vorüber. Nach zwanzig Minuten fing ich an ein paar Trockenübungen zu machen, um mich schon mal etwas warm zu reden. Dann wurde ich abgeholt und es ging sehr schnell. Ich konnte mein Redetalent unter Beweis stellen und schnackte die Prüfer in Grund und Boden. Dennoch schienen sie angetan und gaben mir 100%.

Jetzt ist die Ausbildung vorbei. Das ging rasend schnell! Zweieinhalb Jahre sind im Fluge vergangen, ich bin ein Teil des Unternehmens geworden, habe bestimmt an die 500 Menschen kennengelernt. Vermutlich habe ich mich selbst in dieser Zeit sehr verändert.
Es ist in diesen Jahren beeindruckend viel passiert. Theoretisch könnte ich meinen Bildungsweg an dieser Stelle abschließen und mich in die “normale” Arbeitswelt katapultieren.
Eines habe ich in dieser Ausbildung gelernt und das ist, wissbegierig zu sein. Natürlich bekommt man dabei auch manchmal eins auf den Deckel, wenn man zu sehr nachbohrt. Aber im Großen und Ganzen habe ich festgestellt, dass man mit konsequentem Nachfragen sehr viel weiter kommt. Aus dieser Wissbegierde stammt nun der Wunsch, den Bildungsweg an dieser Stelle nicht zu beenden.

Ab Februar, so habe ich es mir vorgenommen, fange ich an, mich an Universitäten zu bewerben. Vielleicht hilft mir die abgeschlossene Ausbildung dabei, genommen zu werden.

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7 Antworten zu „Lebensabschnittsende“

  1. Miss Whatever schrieb

    am 20. Januar 2007 um 18:38:

    Herzlichen Glückwunsch, Herr Leichtmatrosse!!! Da hast du tatsächlich einen Lebensabschnitt abgeschlossen…
    Aus eigener Erfahrung kann ich dir ein anschließendes Studium nur wärmstens empfehlen. Ich hatte während meiner Ausbildung auch gelernt, dass ich mehr lernen wollte und genieße das Uni-Leben jetzt in vollen Zügen. So wie einen die Berufsausbildung verändert, so verändert einen die Uni auch noch mal ein ganzes Stück. Heraus kommt eine spannende Mischung aus Theorie und Praxis.
    Also meiner Meinung nach: Machen!!! =)

  2. Inferno schrieb

    am 21. Januar 2007 um 12:00:

    ich gratuliere auch ganz herzlich zum abschluss der ausbildung!!! …und dann noch so erfolgreich! super!! =)

    hm. solange die flamme der wissebegierde noch lodert, würde ich vermutlich zum studium tendieren. denn schon in wenigen jahren kann das feuer erloschen sein und dann hat man meist nie mehr die chance dazu.
    außerdem ist studieren wirklich toll. *g*

  3. Falco schrieb

    am 21. Januar 2007 um 16:56:

    Hi Hannes, auch von mir nur die besten Glückwünsche! Ich finde es toll, dass Du weiter studieren möchtest. Für mich war es damals nach dem Abi die einzig halbwegs sinnvolle Möglichkeit. Ich finde es toll, dass Du es machst, weil Du es wirklich willst. Das sind die allerbesten Voraussetzungen, um auch wirklich einen großen Nutzen aus der Sache zu ziehen. Ich drück Dir die Daumen!

  4. Lotte schrieb

    am 21. Januar 2007 um 17:36:

    Einen grossen Glückwunsch schick ihr dir, lieber Hannes!!! Na klar, ab an die Uni. Studieren ist die beste Zeit deines Lebens (sagte nicht nur meine Deutschlehrerin immer, auch ich sage das, ziehen wir die Prüfungszeit und 8 Uhr Vorlesungen ab). Im Hörsaal abhängen, heimlich unterm Klapptisch Zeitung lesen und grundsätzlich immer mehr Bücher durch die Bibliothek tragen als die Hände im Stande sind (vom Ausschlafen mal abgesehen) und billigen, guten Kaffee. Ich bin seit meines Studiumsabschluss schon so sentimental, dass ich am Liebsten ein Zweitstudium beginnen würde. Also, schnapp dir ne Immatrikulation und dann ab in den Studentenkeller. Es grüßt die Lotte, die so gern wieder Studentin wär.

  5. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 21. Januar 2007 um 18:30:

    @Inferno: Vielen Dank für die Glückwünsche! Die Ausbildung hat die Flamme der Wissbegierde erst richtig lodern lassen :-)

    @Falco: Auch Dir herzlichen Dank. Du bist mir doch ein Vorbild für das absolvieren eines sehr guten Studiums!

    @Lotte: Danke Dir nicht minder! Ich freue mich drauf, dem steht kein Zweifel gegenüber. Aber auch Deine Zeit, die jetzt angebrochen ist, ist eine gute. Man studiert ja nun nicht nur des Studierens wegen, sondern eben auch, um anschließend damit etwas anfangen zu können.

  6. Lotte schrieb

    am 24. Januar 2007 um 14:04:

    Aber du weiß doch: Das Leben bildet, nicht zwingend Bücher! ;-)

    Bücher lesen, zuhören, Professoren und Inhalte lieben und hassen, entwickeln und verwerfen, dass ist ja (auch) Leben.

  7. feo schrieb

    am 30. Januar 2007 um 13:20:

    Oh, dann auch von mir allerherzlichste Glückwünsche zum Ausbildungsabschluß und schön, dass deine mdl. Prüfung so gut lief!
    ordentlich Party gemacht? ;-) (ich geh mal davon aus.. )

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