Neues von der Platte
| Samstag, 13. Januar 2007, 20:37Ich bin hundemüde. Nun zu dem, warum ich so müde bin:
Der Freitagabend startete eigentlich völlig gewöhnlich. Mit ein paar Freunden gemütlich ein Bierchen trinken und anschließend in der Calamari Suite in der Cumberlandschen Galerie. War super! Ich hatte mir von vorn herein vorgenommen, gegen ein Uhr nach Hause zu fahren, weil ich noch arbeiten und lernen will/muss. Tja, wie das dann so ist, war es noch super nett und außerdem äußerte Britta das dringende Bedürfnis, doch mal das Steintorviertel zu erkunden – sie wäre da nämlich noch nicht gewesen. Nungut, kann ich ihr diesen Wunsch nicht ausschlagen. Tja. Und das wurde mir dann zum Verhängnis.
Nein. Nicht das, was am naheliegensten ist. Ich bin ganz christlich um drei Uhr nach Hause gefahren. An sich überhaupt gar kein Grund müde zu sein. Der Schock holte mich später ein.
…als ich am Bahnhof mein Fahrrad aufschließen will. Der Schlüssel ist weg! Verdammte Sch…! Wo ist der? Ich rufe also erstmal (nachts um vier) den anderen Leichtmatrosen an, der über das Wochenende verreist ist. Erzähle ihm die Lage und denke gleichzeitig weiter, was ich jetzt mache. Den Deichgrafen, bei dem ich spontan übernachten könnte, erreiche ich nicht. Shit on toast!
Was folgt, ist eine Nacht, die es in sich hat. Erstmal besuche ich die einschlägige Burgwedeler Kneipe, wo noch rund 10 betrunkene Gäste verweilen. Ich geselle mich zu ihnen und gebe ihnen das Gefühl auch zu sein wie sie. In Wirklichkeit möchte ich es vor allem so lange wie möglich trocken und warm haben. Während ich da sitze, gehe ich die Möglichkeiten des Schlüsselverbleibs durch und erinnere mich ans Eve, wo ich mir die Jacke über den Arm gehängt habe. Eigentlich die einzige Möglichkeit, bei der der Schlüssel verloren gegangen sein kann. Mir fällt der eine Engel ein, die ich im Eve getroffen habe und bei der ich mir sicher bin, dass sie noch dort oder zumindest in der Nähe ist. Ich rufe sie über das Handy an und bitte sie, sich an der Bar zu erkundigen. Für mich gibt es zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit mehr, nochmal nach Hannover rein zu fahren.
Es vergeht eine Stunde bei mäßiger Gesellschaft und Apfelschorle, bis mein Telefon klingelt. Ich solle den Schlüssel beschreiben, tue dies und, man will es nicht meinen, er ist wieder da! Er wurde gefunden und abgegeben. Puuuuuuh, ein Stein fällt vom Herzen. Ich möchte sie am liebsten auf der Stelle umarmen. Geht leider nicht, ich sitze ja in dieser Kaschemme fest.
Um halb sechs werde ich dann rausgeworfen. Schicht im Schacht. Zum Glück regnet es nicht. Ich gehe ziellos durch meine Kleinstadt spazieren und suche ein Örtchen zum unterkriechen und zum mich-vor-dem-Wetter-schützen. Ich stelle fest, dass Burgwedel keine Bushhaltehäuschen hat. Nach erfolgloser Suche entscheide ich mich dann, mir die Zeitung aus meinem Briefkasten zu fischen, und mich auf ihr zu betten: In freundlicher Nachbarschaft zu einem Schutz gebenden Trafohäuschen. Dort mache ich nun also rund eineinhalb Stunden “Platte“, bis mich die Kälte überkommt. Ich renne also wieder los, es ist 6:30 Uhr. Diesmal in Richtung Bäckerei. Dort angekommen, lasse ich mir einen Milchkaffee und ein Croissant geben. Die skeptischen Blicke der Kunden sollen mich nicht weiter stören. Um diese Uhrzeit sitzt man doch immer jemand, offensichtlich völlig unausgeschlafen und liest bei einem Pott Kaffee die Zeitung.
Ich genieße die Wärme und bezahle kurze Zeit später. Es ist 7:15 Uhr.
Mein Plan jetzt: Ich besuche meinen Vermieter, der in der gleichen Straße, ca. 500m weiter wohnt. Um ihn jedoch am Samstag in der Früh nicht aus dem Bett zu klingeln, beschließe ich, mich erst noch eine Stunde auf die kalten Treppenstufen vor unserem Haus zu setzen. Ach, wie ist das fies! Mein trautes Heim und ich trennt eine Glastür, die verschlossen ist.
Gegen 8:15 Uhr versuche ich meinen Vermieter durch Anrufen und Klingeln zu erreichen: Ergebnislos. Ich bin mittlerweile völlig übermüdet und kann weder laufen noch stehen. Trotzdem beschließe ich, zu Ikea zu gehen. Ikea macht gerade auf und ich bin einer der ersten Kunden, die das Einrichtungshaus betreten. Ich werde wach(er) von einer krähenden Stimme, die über die Lautsprecher verkündet “Guten morgen, liebe Kunden! Heute hat unsere liebe Kollegin Hildegard Barth Geburtstag. Wir wünschen ihr alles Gute und allen anderen Kollegen und Kunden nun einen schönen Tag!” So ist das bei Ikea, denke ich. Einem Geburtstagskind wird kein angenehmer Tag gewünscht. Warum auch? Vermutlich wird die Tradition, dass es reichlich Kuchen und andere Gourmets für die Belegschaft servieren muss, exzessiv gepflegt.
Kurze Zeit später erreiche ich mein Ziel, die Ecke mit den Sesseln und Lehnstühlen. Ich schiebe mir einen Sessel mit Fußhocker in eine Ecke, besorge mir einen Prospekt und falle äußerlich aussehend, als lese ich, in einen leichten Schlaf. Ein Familienvater weckt mich mit den Worten: “DATT IS HIER JA WIE’E SCHILL-OUT-ECKE” – Bingo! So verbringe ich noch ein paar weitere Minuten, bis auch irgendwann der Leichtmatrose zu Hause auftaucht und mir die Tür aufschließt.
Diese Nacht habe ich mir erfolgreich um die Ohren gehauen. *gähn*
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Miss Whatever schrieb
am 14. Januar 2007 um 14:54:
Ach du liebe Güte, was für eine Nacht! Hut ab vor deinem Durchhaltevermögen ;o)!! Den Schlüssel wirst du wahrscheinlich so schnell nicht mehr verlieren…
Karoline schrieb
am 14. Januar 2007 um 16:53:
Oh ja! Da sitzt man dann mit dem anderen Leichtmatrosen und überlegt was man machen kann. Um 4 Uhr nachts kann man nix machen – Mist! Also schlafen. Mit schlechtem Gewissen. Und verschlafen – Verdammt! Und der arme Hannes irrt durch GBW. Zum Glück noch durch einen weiteren Anruf wieder geweckt worden und Leichtmatrose Falk schnappt sich den nächsten Zug.
Ich hab dich ehrlich bedauert Hannes!!
Leichtmatrose Hannes schrieb
am 14. Januar 2007 um 17:00:
Danke für Euer Mitgefühl:
@Lisa: Nee, den werde ich so schnell nicht verlieren! Ich achte auf meine Sachen, sonst wie auf meinen Augapfel! Dass ausgerechnet mir das passiert…
@Karo: Mach Dir mal keine Gedanken. Ich nehm es mit Humor und ich bin ja auch selbst Schuld. Ich wollte doch schon immer mal bei Ikea schlafen
Anita schrieb
am 14. Januar 2007 um 18:26:
echt witzig, aber weißt du was, soetwas passiert nur einmal im leben.und irgendwie ist es auch cool, denn du hast zeit. …zeit der welt….zeit zum nachdenken, zeit mit fremden leuten in gbw zu quatschen…
lg, anita.
du hast es überstanden und hoffentlich ausgeschlafen heute!
ich kann mich nicht aufraffen um farben zu mischen, oder oder…deshalb surfe ich seit std…denn endlich hab ich wieder telefon + netzzugang zu hause!!!!boah leute,das ist echt LUXUS!!! ich wünsch dir/euch noch nen lauen so.abend und wann is die nächste paty?
Falco schrieb
am 14. Januar 2007 um 23:20:
Halllo Herr Lehmann!
Was für eine geile Geschichte. Ich weiß nicht, ob man sowas durchmachen muss, aber eher nicht. Überlege mir gerade, was ich hier gemacht hätte – wahrscheinlich mit der U-Bahn wieder zum Hauptbahnhof, dort ins Sexyland und dann den Morgen abgewartet – bis Starbucks aufmacht. Ist aber echt ne heftige Geschichte, lieber Leichtmatrose. Trotzdem schön zu lesen.
Leichtmatrose Hannes schrieb
am 14. Januar 2007 um 23:31:
Hier kommst ja nachts nicht mehr weg. Und nüchtern war ich auch noch nicht wieder… ansonsten: Keine schlechte Idee!
feo schrieb
am 18. Januar 2007 um 13:23:
.. schlecht, wenn man auf’m Dorf wohnt, gell?
oh man, was für ne Geschichte,
schön, dass der schlüssel wieder da ist!
.. und nett geschrieben!
Leichtmatrose Hannes schrieb
am 20. Januar 2007 um 17:51:
Ja, Feo, da gebe ich Dir recht. In Hannover-Ciddy wäre mir das in dieser Art gewiss nicht passiert.