Was die letzten Tage so geschah

von Leichtmatrose Hannes | Sonntag, 7. Januar 2007, 19:30

“Holla, die Waldfee!”, sag ich Euch, liebe Leser! Dieses Jahr kommt mit Pauken und Trompeten und verlangt gleich alles von einem.
Auf speziellen Wunsch einer einzelnen Bloggerdame will ich mich jetzt aber erst noch einmal mit dem alten Jahr beschäftigen. Ein kleines Silvesterreview* folgt nun. Ich weiß ja nicht, ob der andere Leichtmatrose sein Review auch noch schreiben will. Ich frage ihn an dieser Stelle hochoffiziell.


Lange Zeit war es gar nicht klar, wo ich feiere. Die Idee war erst, die gleiche Mannschaft aus vergangenem Jahr wieder zusammen zu trommeln und die Feier einfach an einem anderen Ort auszutragen. Nachdem allerdings zwei Personen von vorn herein ihre zeitliche Abstinenz erklärten, zwei Personen nicht mehr aufzuspüren waren und drei Personen sich von dieser Idee nicht begeistern ließen, stand ich nun alleine da.

Kennt Ihr das auch? Es gibt manche Leute, die fragt man schon gar nicht mehr, weil sie eh keine Zeit haben, irgendwo hin weit weg verreisen oder ohnehin auf der megafettesten Party eingeladen sind. Nunja, ich begang das Wagnis, die Sissi – neben ihr im Auto sitzend – so beiläufig nach ihren Planungen zu interviewen: “Und, was machst Du so an Silvester?” Die Antwort zerstörte mein Weltbild: nichts geplant. Wie ääh, was jetzt, nichts geplant? Du? Mooooment. Sie verifizierte ihre Aussage und in diesem Moment war auch mein schicksalhafter Verbleib für den Oldjoarsabend geklärt.

Das Raclettegerät, welches ich für die Freundschaftswerbung des Mobilfunkanbieters meines geringsten Misstrauens mal erhielt, war bis zu diesem Zeitpunkt unbenutzt. Es lag irgendwie bereits gut ein Jahr original verpackt im Plastiksack und Umkarton auf dem Küchenschrank. Seine Zeit war gekommen, es sollte nun entjungfert werden.
Im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass trotz gelegentlichem Staus selbst neun Personen um ein Achtpersonen-Raclettegerät Platz finden. Ich konnte mit meinen schon fast professionell anmutenden Kunststücken aus Kartoffelscheiben auf der Oberfläche Kartoffelchips herzustellen tatsächlich beeindrucken!
Vertieft in die Arbeit, sich mit ausreichend Nahrung zu versorgen, verpassten wir fast die Neujahrsgrenze, bis irgendwer geistesgegenwärtig den Countdown anzählte.
Was folgte war das stilvolle schlürfen guten Sekts aus Plastikbechern, welche im Vorwege von der Gastgeberin mit Hilfe eines Eddings mit unserem Vornamen präpariert wurden. Die Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens bleibt fragwürdig. Ich stieß jedenfalls mit einem Becher mit der Aufschrift “Corinna” an.

In den nächsten fünfzehn Minuten ließ ich mich von intensivem Schwarzpulverruß eindieseln und verkroch mich unter irgendeinem mittelgroßen Baum, um nicht von den herabregnenden Silvesterraketen-Stöcken erschlagen zu werden. Währenddessen war ich damit beschäftigt meinen ganzen Geschwistern, Eltern und Freunden ein “Frohes Neues” ins Handy zu brüllen, die es eigenartiger Weise alle schafften “durchzukommen”.
Den einzigen Knaller, den ich los ließ, war der Korken der Sektflasche, die ich mitgenommen hatte. Meine Trefferquote kam der, der herabfallenden Raketenstöckchen ziemlich nah. Ich traf zielgenau die Autoantenne eines stehenden Fahrzeugs. Von oben! Wuuaaah, ich bin so stolz!

Später bot sich dann eine Mitfahrgelegenheit nach Burgwedel an, die ich gerne in Anspruch nehmen wollte. Die Mitfahrgelegenheit wollte jedoch vorher noch ein bissl in die Stadt losziehen, was mir sehr entgegen kam. Ich verbrachte also noch ca. zwei Stunden der Neujahrsnacht auf einer ca 50cm dicken Schicht von vorher explodierter Pappe, die nun vom anhaltenden Regen sich zu einem großflächigen Brei vermengt hatte. Mmmmmmmh!
Die Idee, die Disco nun zu verlassen und den Heimweg anzutreten, kam ca 10 Minuten zu spät. Das hatte zur Folge, dass wir auf dem Weg zum Auto pitschnass und ich meine wirklich pitschnass
wurden. Mein Fahrer, den ich übrigens erst diesen Abend kennengelernt hatte, zog es vor in Unterhose zu fahren, wie Daniel Brühl in “Ein Freund von mir” den Porsche.

Die weiteren Tage im neuen Jahr bescherten mir vor Allem viel Arbeit. Ich habe hier ein Projekt liegen, welches auf Zeit fertig werden muss. Dafür habe ich die letzten Tage investiert und morgen geht es bei mir auch wieder richtig los – mein Urlaub ist zu ende.
Ansonsten war ich viel spazieren und nutzte die Zeit, um mir über den Sinn des Lebens Gedanken zu machen. Ihr glaubt gar nicht, wie gut das bei einem Spaziergang geht! Meinem Rücken tut es auch noch gut, also, was will man mehr.
So, jetzt ist Schluss, zufrieden, Frau Blume? ;-) Gleich geht der Tatort los.

*Der Leser ersetze bei Unverständnis des Wortes Silvester wahlweise das i durch ein y.

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13 Antworten zu „Was die letzten Tage so geschah“

  1. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 8. Januar 2007 um 15:46:

    Ich muss mich jetzt mal selbst kommentieren. Ich bin so blöd, Leute… ich wundere mich die ganze Zeit, warum keine Kommentare zu diesem Beitrag kommen. Und als ich eben sehe, dass er 0 mal angesehen wurde, kam es mir doch etwas spanisch vor. Ähm… ich hatte irgendwie aus versehen den Veröffentlichungsstatus auf “privat” gesetzt. Dösbaddel, ich. So, und jetzt fleißig kommentieren! ;-)

  2. Frau Blume schrieb

    am 8. Januar 2007 um 16:58:

    ja meine Verlangen ist komplett gestillt… auch wenns keine fotos gibt :) aber sehr schön, herr hannes..vielen dank :)

  3. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 8. Januar 2007 um 17:15:

    Oh, bitte gerne.
    Ich selbst habe gar keine Fotos gemacht. Ich muss mich mal bei den anderen Gästen nach Fotos erkundigen. Sie werden ggf. hier nochmal reingefrickelt.

  4. Leichtmatrose Falk schrieb

    am 8. Januar 2007 um 17:20:

    Na, jetzt fühle ich mich aber angesprochen und hab “irgendwie ganz plötzlich” Lust auch einen Rückblick auf dieses alljährliche Ereignis zu verfassen…..
    Aber ganz ehrlich, Herr Hannes, ein sehr schöner Bericht… hab sogar gelacht :-)

  5. Falco schrieb

    am 8. Januar 2007 um 17:39:

    Schön geschrieben! Ein toller Einstand fürs neue Jahr! Der Tatort war übrigens…naja…

  6. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 8. Januar 2007 um 17:42:

    Jipp, der Tatort war sehr naja. Habe auch irgendwie die ganze Zeit gequatscht…

  7. Inferno schrieb

    am 8. Januar 2007 um 19:50:

    *hihi* mit’nem halbnackigen kerl an neujahr, plitschnass über die wiesen gebrettert…hach ja, was gibbet schöneres!? =þ

  8. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 8. Januar 2007 um 20:11:

    ne halbnackte Frau? ;-)

  9. Inferno schrieb

    am 8. Januar 2007 um 20:19:

    dann haben sie bei ihrer mitfahrgelegenheit aber geschlechtlich ins klo gegriffen, wa!? UND JETZT SAGEN SIE NICHT, DASS ES AM ALKOHOL LAG oder dass man nehmen muss, was man kriegen kann !!!! *muuhahaha*

  10. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 8. Januar 2007 um 20:33:

    Seine Freundin war dabei *dumdidumm*

  11. Inferno schrieb

    am 8. Januar 2007 um 20:51:

    auch naggich?? o_O

  12. Lotte schrieb

    am 9. Januar 2007 um 16:16:

    Was habe ich getan? Geschlafen!
    Also, völlig überbewertet dieses Fest. ;-)
    Aber immer wieder interessant, was man verpassen sollkann. Das erinnert mich an mein Silvester in London: Am nächsten Morgen verwendeten alle, die auf DER Party waren, in ihren Sätzen “Scheiße”. Sie taten mir sehr leid!

  13. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 9. Januar 2007 um 22:45:

    Ich muss Dir jedenfalls nicht leid tun. Ich bin wieder getrocknet – später dann. Mir war ja auch ziemlich warm im Auto ;-)

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