Der Deichgraf – Chinafüße
| Sonntag, 4. März 2007, 19:13Moinsen Leute,
ich bin der Deichgraf. Kurz zu mir: Hamburger, HSVer (beide), aufgeschlossen und weltoffen. Aber irgendwo hat das auch seine Grenzen. Nämlich genau dort, wo die Diskussion an deutschen Unis und Akademien um die Grenzenlosigkeit des Potentials chinesischer Hochschulabsolventen beginnt. Ein Beispiel aus der Praxis. Meinen Logistikdozent, der Themen, wie “die Verknappung der globalen Ressourcen und die damit verbundenen weltwirtschaftlichen Auswirkungen” behandelt und selbstverständlich schon viel in der Welt herumgereist ist, führte der Ruf der Globalisierung natürlich auch nach China. Sein Erfahrungsbericht: Chinesische Studenten lernen mehr, als deutsche, können mehr, als deutsche und sind sowieso viel besser, als deutsche (Studenten, wohl bemerkt).
Solch einen Erfahrungsbericht weiß auch mein Dozent im Fach Unternehmensführung vorzulegen. Seine China-Studenten ernähren sich von Hühnerfüßen und lernen bei 6?C Raumtemperatur in einem überfüllten Vorlesungsraum. Dass mein Dozent seit seinen Chinareisen auch von Hühnerpfoten schwärmt, sei nur am Rande erwähnt, auch wenn er es jede Vorlesung vortragen muss.
Trotz meiner Offenheit ist mir bisher verschlossen geblieben, warum uns Dozenten mit ihrer überschwänglichen Chinaeuphorie wieder und immer wieder nerven und uns unterschwellig mitzuteilen versuchen, dass wir am besten genauso seien sollen, wie seine Studenten vom Jangtse. Ich von der Elbe bin von diesen Berichten schon ziemlich genervt, auch wenn die Gründe der China-Euphorie Hand und (Hühner-)Fuß haben sollten. Es wirkt auf mich jedesmal, als ob der Dozent zu sagen versucht, dass deutsche Studenten weniger tun würden, oder faul seien, was pauschal wohl nicht zutreffen mag. Der Ton und die Art des Vortrags unterstreichen meine These, da die Dozenten oft einen scharfen Ton anschlagen, der an den Ton eines Dorfpolizisten erinnern, der an einem Januarmorgen einen Grundschüler belehrt, der ohne Licht mit dem Fahrrad zur Schule gefahren ist.
Bald habe ich wieder eine Vorlesung mit einem dieser China-Liebhaber-Dozenten. Mal sehen. Wenn der wieder von China anfängt, dann hol ich schonmal den Flyer vom China-Restaurant um die Ecke aus meiner Tasche und such mir was für die Mittagspause raus. Irgendwas – aber keine Hühnerfüße.
Bis bald, Leute
Euer Deichgraf
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Leichtmatrose Hannes schrieb
am 4. März 2007 um 22:25:
Moinsen lieber Deichgraf! Erstmal ein fettes Herzlich willkommen im Brandungskieker!
Diese Zeigefinger-Mentalität vieler Lehrer, Dozenten, Profs usw. kann ich auch wenig verstehen. Sie scheinen zu versuchen, auf ihre altkluge Art den Lehrlingen Furcht einzureden und sie so zu animieren. Das ist in meinen Augen totaler Blödsinn. Ordentliche Recherche und gute Argumente überzeugen von allein und bringen ggf. Mund-zu-Mund-Propaganda ins Rollen.
Es wäre spannend, Deinen Dozenten mal durch kluge Recherche das Gegenteil zu beweisen. Hühnerbeine machen doof oder so.
HansT schrieb
am 1. April 2007 um 12:52:
Mich nervt diese “China Welle” genauso wie Dich.
ich weiss jetzt nicht, ob ich das posten darf, weil es gar nichts mit dem Thema zu tun hat, aber als ich Dich so las, dachte ich mir, dass ich es mit einem Menschen zu tun habe, der ein gesundes Urteil hat und nicht gleich jedem glaubt, nur weil es die Masse sagt.
Guck mal hier:
http://disclosureproject.blog.de
Ich wette, daß China nicht zur Weltmacht wird, die es anstrebt. Da gibt es noch ein paar Leute, die ein bisschen mehr Macht haben.