Rekordverdächtig

von Leichtmatrose Hannes | Donnerstag, 26. April 2007, 21:10

War das ein Tag! In dreizehn Stunden einmal nach Aachen, eine Prüfung abgelegt und wieder zurück nach Hannover. Rein theoretisch kein großes Kunststück. Nur Polster sind da für irgendwelche Spirenzchen nicht mehr vorhanden.

Ich stieg heute morgen schön in den Blaugelben, um anschließend in Hannover umzusteigen. Halb schlaftrunkend taumle ich also zu Gleis 13, wo der ICE schon steht. Wie, schon steht? Der soll doch erst in 8 Minuten ankommen?! Oh nee, soller doch nicht. Er hat nur läppische 45 Minuten Verspätung. Ja und was macht der dann auf meinem Gleis? Ich fange schon an zu rechnen. 45 Minuten Verspätung, Anschlusszug in Düsseldorf, Pustekuchen. Mist, ganzes Zeitpolster gleich zu Beginn aufgebraucht. Kurzzeitiges Stimmungstief. Aber warum steht denn da nun ein Zug auf dem Gleis? Der Zielanzeiger stimmt auch: Köln/Bonn Flughafen. Hmmm, WAAAAAH! Das ist der Zug, der eine Stunde früher fahren sollte und ebenfalls 45 Minuten Verspätung hat! Ohne lange zu überlegen springe ich in den Zug und da setzt er sich auch schon in Bewegung. Glück gehabt. Das soll mir mal erstmal einer nachmachen! In Burgwedel um 7:56 losfahren und den 7:22 Uhr-Zug in Hannover trotzdem erreichen.


Dann kam ich in Aachen an. Aachen Schanz, um genauer zu sein. Die etwas verwirrende Straßenführung, gepaart mit einer undeutlichen Wegbeschreibung der Bundesbahn ließ mich ein paar Twens nach dem Weg fragen, die mir allerdings nur mit einem “bevor ich Diech jetzt falsch schiecke, sach iech ma lieber nix.” Die Jugend von heute…

Ja und dann ging eigentlich los, weshalb ich Aachen besuchte. Der Studiengang Communication & Multimediadesign lud zu einem Eignungstest ein. Dank meines unverwechselbaren Scharfsinns, erkannte ich die ahnungslosen Menschen vor dem Haupteingang schnell als meine Leidensgenossen. In einem kurzen Verbalcheck im Sinne von “Wo kommst Du denn her, was erwartest Du von dem Test” usw. prüfte ich meine Chancen. Joa, gar nicht so schlecht.

Meine 1,5 Mio. Mitstreiter (gefühlt) und ich wurden in einen Hörsaal gelassen, der für 300 Personen gedacht war. Da zwischen jedem Kandidaten ein Platz frei gelassen werden musste, schlussfolgere ich mal, dass es nicht mehr als 150 waren. Dann kam der Test. 90 Minuten Zeit, keine Hilfsmittel.

  1. Erklären Sie drei der folgenden Begriffe: Inflation, Mittelstand, GmbH, demographischer Faktor, Tarifautonomie und noch einer. Weiß nicht mehr.
  2. Nennen Sie Vorteile der Europäischen Gemeinschaftswährung.
  3. Wer belegt momentan das Amt des Familienministers und welches Thema wird momentan debattiert?
  4. Erläutern Sie anhand Ihres Werdegangs Ihren Vorzug für den Studiengang c-md
  5. Definieren Sie den Begriff Medien
  6. Definieren Sie den Begriff Kommunikation
  7. Erläutern Sie, warum die Bilder “laufen lernten”
  8. Erklären Sie die folgenden Begriffe in je max. 3 Sätzen: Web 2.0, XML, HTML, Second Life
  9. Sie sollen das CI eines Unternehmens entwickeln. Was verstehen Sie darunter und wie gehen Sie vor?
  10. Zeichnen Sie die folgenden Funktionen in ein Koordinatensystem ein: g(x) = 3x – x² + x³, h(x) = blabla und i(x) = lnx
  11. Sie wollen 10.000 € anlegen. Ihre Bank gewährt Ihnen 5% Zinsen p.a. Wieviele Zinsen haben Sie nach drei Monaten? Beurteilen Sie den Zinssatz zur aktuellen Wirtschaftslage.
  12. Entwickeln Sie ein Logo für eine Umweltkampagne und zeichnen Sie es. Erläutern Sie Ihren Vorgang bei der Entwicklung und erklären Sie, warum Sie sich so und nicht anders entschieden haben.
  13. Sie sollen einem Kunden eine Datenbank erklären. Die Datenbank beinhaltet Produkte und Hersteller. Dabei sind einige Produkte von mehreren Herstellern lieferbar. Skizzieren Sie die Datenbank. Benutzen Sie keine Beschriftungen, sondern ausschließlich grafische Elemente

So. Ich hoffe, ich habe keine Frage vergessen. Die Zeit von 90 Minuten war verdammt knapp. Die Fragen waren in vier Teile aufgeteilt und man musste in jedem Teil mindestens 50% beantwortet haben, um bestehen zu können. Ich habe alles ausgefüllt. Bis auf diese dämlichen Grafen im Koordinatensystem und die Frage nach dem warum die Bilder laufen lernten hab ich alles zielsicher beantworten können und mir auch ein ganz cooles Logo für die Umweltkampagne ausgedacht, wie ich finde. Ich bin mal gespannt, wie ich so stehe! Ich finde, anstatt der Datenbankzeichnung hätten sie uns mal lieber eine verständliche Anfahrtsskizze zur FH zeichnen lassen sollen…

Dann trat ich die Heimreise wieder an. Eine Stunde früher, als geplant und deshalb ist dann auch dem Rückweg meine Sitzplatzreservierung für die Katz gewesen. Ich habe mich auf einen Platz gesetzt, der von Düsseldorf nach Berlin reserviert war, wo aber niemand kam. Weil aber so viele Plätze von Düsseldorf nach Berlin reserviert waren, dachte ich schon, dass es vll. ein Surf&Rail-Ticket für diese Strecke gibt und deshalb jederzeit noch jemand einsteigen kann, der genau für diesen Platz eine Reservierung hat. Herrgott, wie ich das hasse, wenn man nicht einfach die Augen zumachen und abschalten kann, weil man ständig darauf gefasst sein muss, dass einen jemand wegscheucht. Später gab es dann noch eine Gulschsuppe im BordRestaurant. Sie wurde mir mit dem Kommentar meines Gegenübers “Überessen Sie sich nicht” serviert. In der Tat war dieses 5-Euro-Süppchen mehr was zum Schniefen, als eine vollwertige Mahlzeit…

Tja, wenn das geklappt hat und der Test gut verlaufen ist, dann darf ich die Strecke in drei Wochen noch einmal antreten. Juchu…

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8 Antworten zu „Rekordverdächtig“

  1. Frau Blume schrieb

    am 26. April 2007 um 21:20:

    ich drück die daumen! aber Aachen?? ich weiss nichtmal genau wo das liegt…

  2. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 26. April 2007 um 21:38:

    Tja, ist auch nicht meine erste Wahl. Aber ich fahre lieber mehrgleisig. Sicher ist sicher. Aachen liegt so dicht an der niederländischen Grenze, dass ich heute kurzzeitig sogar niederländisches Netz hatte. Ich staunte nicht schlecht, als ich im Zug saß und eine Willkommens-SMS von KPN Mobile erhielt :-D

  3. Lotte schrieb

    am 27. April 2007 um 05:28:

    Also Däumchen sind natürlich ununterbrochn gedrückt. Bei Frage 10 wäre ich auch rausgeflogen, zudem nur 90 Minuten??? Was bin ich froh, dass ich einen Job habe, bei dem ich mich nicht so kurzfassen muss :-)

  4. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 27. April 2007 um 07:18:

    Dankeschön für’s Daumendrücken! Ich glaube, die Frage 10 habe ich auch verkehrt. Das ist soooo lange her. Und wenn es nichts wird, hast Du ja schon gesagt, dass ich zu Dir kommen darf, Lotte :-)

  5. Störgröße schrieb

    am 27. April 2007 um 15:49:

    Na, die Fragen gehen aber doch. Oder war es wirklich so schlimm?

  6. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 27. April 2007 um 15:58:

    Nee, die Fragen waren nicht schlimm aber die Zeit verdammt knapp.

  7. Inferno schrieb

    am 1. Mai 2007 um 11:33:

    *g* frage 10 wär vermutlich die einzige, die ich ohne nachzudenken hätte beantworten können^^
    ansonsten is das ja weniger meine welt…
    umso mehr drücke ich die daumen, dass es bei Ihnen in 3 wochen weitergeht. kommt dann noch ein vorstellungsgespräch, oder wie!?

  8. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 1. Mai 2007 um 21:09:

    Ja, das wäre in drei Wochen dann das Vorstellungsgespräch. Danke fürs Daumendrücken!

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