In Lissabon tragen Gonokokken einen Stahlhelm!

von Leichtmatrose Hannes | Donnerstag, 31. Mai 2007, 23:05

Gesundheitsbelehrung

Da wir morgen in Lissabon einlaufen, dürfte es klar sein, dass es heute nicht ums Zähneputzen geht.

In Lissabon tragen Gonokokken einen Stahlhelm!

Bereits seit den Zeiten der kaiserlichen Marine klagen die Schiffsärzte über unwiderstehlichen Drang der Matrosen, sich einer bestimmten Gruppe von Damen hingezogen zu fühlen, deren Gewerbe bekanntlich noch älter als die Seefahrt ist. Versuche, jenen Drang nachhaltig zu unterbinden, schlugen immer wieder fehlt … obgleich der kaiserliche erste Offizier über ein wesentlich breites Angebot an Disziplinarmaßnahmen verfügte als heutzutage.
Ich gebe mich auch daher keinerlei Illusionen hin, Sie durch Schilderung grässlicher Geschwüre und fließender Eiterströme dahin zu bringen, Ihr Abendvergnügen hauptsächlich in einem kernigen 5.000m-Lauf zu suchen. Allerdings möchte ich doch auf ein spezielles, sozusagen »Lissabon-typisches» Problem eingehen, allein schon, um nachher nicht dauernd dieselben Erklärungen geben zu müssen.

Nun, die Damen der Nacht sind in Lissabon recht preiswert und ab einem gewissen Blutalkoholpegel auch recht hübsch. Darüber hinaus sind die Damen … Lissabon ist schließlich ein Welthafen … sozusagen internationale »Verkehrsknotenpunkte». Menschen aller Länder und Rassen treffen zusammen … ihre Krankheitserreger leider auch. Die dabei entstehenden Mischungen sind nicht nur wissenschaftlich hochinteressant, sondern es ist auch für den Betroffenen immer wieder spannend abzuwarten, ob das neue Medikament nun hilft oder, wie die anderen zuvor auch, seine Wirkung verweigert.

Kurzum: Die Vorstellung, es sei entweder ein rotes Geschwür oder ein gelber Tropfen, entweder die Syphilis oder der Tripper, ist genauso verfehlt wie die Hoffnung, dass der Doktor das Problem schon mit einigen »Milliönchen» aus der Welt schaffen wird. Gerade in Lissabon haben Sie extrem gute Chancen, sich bei einer exotischen Dame einen nicht minder exotischen Erreger als Souvenir mitzunehmen.

Aber auch die handelsüblichen Gonokokken sind in Lissabon von ganz anderem Format als in den heimatlichen, gesundheitsamtlich kontrollierten Gefilden. Die Damen der Nacht haben in dieser Hafenstadt die nette Angewohnheit, frei von teuren und zeitraubenden ärztlichen Untersuchungen, hemmungslos Antibiotika der verschiedensten Sorten wie Lutschbonbons zu konsumieren. Die Erreger sind nun ihrerseits keineswegs so freundliche, ob dieses massiven Beschusses sang- und klanglos abzusterben, sondern wuchern nur umso gestählter weiter. Dem armen Schiffsarzt bleibt dann keine andere Wahl, als ganz hinten aus der Schublade ein Medikament hervorzuholen, bei dem auf dem Beipackzettel der Abschnitt über Nebenwirkungen ungefähr fünfmal so lang ist, wie der über Wirkungen.

Noch ein aktueller Hinweis: Trotz aller Hysterie ist AIDS eigentlich eine Geschlechtskrankheit. Der Unterschied zu den anderen Geschlechtskrankheiten besteht einzig und allein darin, dass AIDS halt ein bisschen tödlich verläuft… Denken Sie mal darüber nach.

Zum Abschluss: Wie immer Ihr Landgang auch verlaufen sein mag, verschwenden Sie nicht Ihre Zeit damit, in sich hineinzuhorchen, ob es und wirklich juckt, zuckt oder brennt. Kommen Sie frühzeitig zu mir … die absolute Diskretion ist natürlich selbstverständlich

Freundlichst, Ihr Schiffsarzt.

[via]

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5 Antworten zu „In Lissabon tragen Gonokokken einen Stahlhelm!“

  1. Der Deichgraf schrieb

    am 31. Mai 2007 um 23:17:

    tsssssssss. Guter Bericht! Der Deichgraf.

  2. stoergroesse schrieb

    am 31. Mai 2007 um 23:55:

    Es gibt auch Lokalitäten, in denen man auf der Toilette stoßweise pinkeln muss, damit der Tripper nicht den Strahl hochkriecht. *summteinLied*

  3. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 1. Juni 2007 um 00:01:

    *lach* haha! Der war gut :-)

  4. Volker schrieb

    am 4. Juni 2007 um 23:55:

    Wow, du hast dir die Mühe gemacht das alles abzutippen?
    Ich war zu faul :-)

    Aber wie heißt es so schön, der deutsche Seemann ist wie ein Walfisch, immer im Tran, nix in den Flossen und alle Kraft im Schwanz.

  5. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 5. Juni 2007 um 07:58:

    @Volker: Ja, das war’s mir wert. Der Text ist ganz großes Damentennis! Und den Spruch muss ich mir mal merken :-)

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