Jeden Morgen Moin!
| Mittwoch, 25. Juli 2007, 22:26Leude, es ist mal an der Zeit aufzuräumen. Und zwar mit einem Missverständnis zwischen uns, den Norddeutschen (the only one) und den anderen (the rest).
Komme ich in einen Laden oder ins Büro, sage ich “Moin!”. Bin ich überschwinglich und habe besonders gute Laune, kommt auch mal ein “Moin moin!” zustande. Komme ich aber abends zu einer Party und begrüße meine Freunde mit “Moin moin!” (da hab ich ja meistens gute Laune) und begegnet man mir mit einem “Morgen!” oder einem “Morgen? Es ist 21 Uhr!” senkt sich meine Laune drastisch. Soweit, dass ich nicht mehr als ein einfaches “Moin” herausbrächte.
Noch schlimmer sind diejenigen, die sich abends von mir verabschieden. Nicht, dass ich was gegen diese Form von Höflichkeit habe. Nein nein, wenn diese Höflichkeit aber in Satzkonstrukten wie “Tschüss, bis moin!” endet, ist das alles andere als höflich. Das ist der Missbrauch dieser, unserer Sprache für einen Ausdruck, der hier ohne Frage irrtümlich eingesetzt wird.
Und deshalb kläre ich jetzt ein für alle Mal an dieser Stelle auf:
“Moin!”, oder auch “moin moin” haben nichts aber auch rein gar nichts, nix, niente, nothing mit dem hochdeutschen Wort “Morgen” zu tun! Moin ist nämlich die abgekürzte Form von “Moi’n Dag!”, was im friesischen soviel bedeutet, wie “Guten Tag!”. Moi bedeutet so viel wie “schön” (“Dat is Moi”). Sagen wir Moin moin, bedeutet das also in etwa soviel wie “gut gut”.
Demnach kann das friesische Moin (woher es ja nunmal stammt) den ganzen Tag verwendet werden. Egal ob morgens um acht oder um Mitternacht und hat nichts mit meiner Absicht zu tun, diese Nacht nicht zu Bett gehen zu wollen.
So, das musste mal raus. Weitermachen.
P.S.
Moinsen sagt man übrigens zu mehreren Leuten. Moinsen steht nämlich als Abkürzung für “Moin zusammen!”
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Lennard schrieb
am 25. Juli 2007 um 23:32:
Ich fürchte, den “Rest” davon zu überzeugen dass “moin” nicht “morgen” heißt ist ein Kampf, den der Norddeutsche nicht gewinnen kann. Um jetzt noch ein wenig das Macht-doch-nichts-wir-machen-alle-mal-Fehler-Gefühl zu fördern: Ich Norddeutscher habe selbst erst relativ spät erfahren, was es mit moin auf sich hat. (Nein, nicht erst durch diesen aufklärenden Beitrag.)
PS: Weißt du denn auch woher das “Weitermachen” kommt?!
Leichtmatrose Hannes schrieb
am 26. Juli 2007 um 08:53:
Nee, Lennard, weiß ich leider nicht. Kläre mich auf!
Ich will ja nichts unversucht lassen und hoffe durch diesen Beitrag auf eine bessere Welt
Inferno schrieb
am 26. Juli 2007 um 11:28:
D-A-N-K-E für diesen beitrag!!
wir sollten eine initiative gründen, denn es gibt tatsächlich viel zu viele unaufgeklärte menschen! (vor allem im sauerland, wo man am laufenden band verständnislose blicke, kopfschüttler, gekichere oder sätze wie “willste mich verarschen?” kassiert…)
The.OS schrieb
am 26. Juli 2007 um 15:52:
Moin (Moin) ist aber nicht nur ganztägig bzw. auch nächtlich anzuwenden, sondern enthält viel mehr Inhalt!
Eine typisch Norddeutsche Unterhaltung:
Person A: Moin…
Person B: Moin (inkl. einmal Kopfnicken beim Sprechen)
Person A: *Kopfnicken* (nonverbale Kommunikation)
die Botschaft dahinter ist aber eigentlich:
Person A: Hallo, Guten Tag, schön dich zu treffen, haben uns ja lange nicht gesehen, wie geht es dir, Lust auf ein Pils?
Person B: Ja Hallo, freue mich auch dich zu sehen, ist wirklich lange her, mir geht es gut, wie geht es dir denn? Pils immer!
Person A: Ja, mir geht es auch gut, alles gesund, auch die Leber, unser Wiedersehen müssen wir jetzt mal endlich begießen, ich geb dir einen Aus, Prost!
Antwortet B allerdings ohne Kopfnicken und eher genuschelt bedeutet das so viel, wie: Hallo, wusste nicht das du auch hier bist, will eigentlich meine Ruhe, ich trinke jetzt lieber allein!
Von wegen Norddeutsche wären kalt, wortkarg und zurückhaltend. Wir haben nur unsere Sprache optimiert!
Gesellschaft zur Verbreitung des Moin
Leichtmatrose Hannes schrieb
am 26. Juli 2007 um 15:56:
@Inferno: Ich bin dabei!
@Ole: Muhahaaa! *lach* Du hast ja so recht…
Lennard schrieb
am 26. Juli 2007 um 16:07:
Ich weiß nicht, ob ich den wahren Urhebern Unrecht tue. Soweit ich weiß kommt “Weitermachen!” von der Bundeswehr:
Der Vorgesetzte kommt in die Stube, alle Soldaten springen vom Stiefelputzen auf, gehen in die Grundstellung (Front zum Vorgesetzten), einer macht Meldung und das ganze Trara. Eigentlich ist das dem Vorgesetzten aber egal, weil er nur aus Langeweile in jede Stube guckt. Er sagt dann “Jaja, weitermachen!” Dieser Befehl wird dann möglichst noch vom Stubenältesten bestätigt: “Jawohl, weitermachen mit Stiefelputzen!”
Ich bewundere euren Idealismus bei der Verbreitung der norddeutschen Sprache!
feo schrieb
am 26. Juli 2007 um 22:34:
danke!
.. aber sacht mal, bin ich die einzige, die nicht lesen kann, was sie beim kommentieren in die Namenszeile schreibt?
soulsilence schrieb
am 27. Juli 2007 um 13:13:
Daaaanke!
Das werd ich den “zugereisten” Kollegen gleich mal unter die Nase halten. Endlich einer, der ausspricht, was mal gesagt werden musste! Und wenn ich mal wieder nen verständnislosen Blick ernte, weiß ich jetzt auch, was ich antworten kann: Norddeutsche Sprachoptimierung!
fräulein anna schrieb
am 11. August 2007 um 22:07:
ich hab das grad erst gelesen, aber ich komm von dem moin und all den andren ausdrucksweisen und dem nordischen släng nich los. und der ein oder andre schaut mich hier in trier immer wieder komisch deswegen an. aber flensburg, bald bin ich wieder dein, und ich weiß nich, aber ich liebe diese sprache.
in diesem sinne…
Leichtmatrose Hannes schrieb
am 12. August 2007 um 22:30:
@fräullein anna: Vielleicht habe ich mich auch gerade deshalb gegen das Studium in Trier entschieden – habe mich eben noch nicht imstande gefühlt, den Süden einzunorden. Jetzt geht’s erstmal in den Osten