Supermarkt-Sozializing

von Leichtmatrose Hannes | Dienstag, 4. November 2008, 18:02

Norddeutschen wird vielerorts eine gewisse Drögheit vorgeworfen. Norddeutsche sollen introvertiert sein und norddeutschen Humor verstehen häufig auch nur die echten Artgenossen. Zum Glück.

Was sich der Norddeutsche jedoch generell nicht nachsagen lässt, dass ist der Vorwurf ungesellschaftlich zu sein. Neenee! Das ist ganz und gar nicht so. Sonst gäbe es gar nicht so viele Touristengegenden in Schleswig-Holstein. Wie aber betreiben Studenten aus dem meerumschlungenen Bundesland “Sozializing”? In der Regel geschieht dies durch ausgedehnte Strandpartys und Traditionsaktionen, wie Anbaden, Baden, Abbaden oder im Landesinneren Scheunenfeten und überdimensionierte Metal-Festivals.

Was tut man also als Fischkopp in öden und trostlosen Gegenden in denen man nur Berge um sich hat, die für die meisten Kommilitonen abschreckende Wirkung haben? Genau, man erfindet andere Oasen des Sozializings. Und um den Charakter der Feierlichkeiten nicht zu verlieren, werden diese Oasen in Konsumhochburgen verfrachtet – was liegt da näher, als die Konsumhallen von Kaufland, REWE, netto & Co. die einzig und allein wegen der Studenten neuerdings bis spät in die Nacht geöffnet haben.

Es wird Sorge getragen, dass sich das Kaufland-Sozializing-Programm in aller Konsequenz durch den gesamten Studentenalltag ziehen kann. Deshalb ist immer dafür garantiert, dass sämtliche geöffneten Kassen durchgehend mit studentischen Aushilfskräften belegt sind, die einem alle Zeit geben, sich in der Kassenschlange mehr oder weniger freiwillig mit seinem Nachbarn zu unterhalten. Um sich nicht aus dem Weg gehen zu können, wird außerdem garantiert , dass man mit seinem Einkaufswagen nur durch die Hälfte der Gänge fahren kann, indem die anderen durch Hubwagen und klönende Mitarbeiter ein Vorbeifahren konsequent verhindert wird. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Es wird schier unmöglich, seinen 1-Lite-Milch-Einkauf in fünf Minuten durchzuführen ohne angesprochen, geschweige denn gesehen zu werden.

Übrigens: Neuerdings liegt der Indikator von Beginn und Ende der Semesterferien auf der Frequentierung der Supermärkte und nicht mehr bspw. die Nutzung der Mensa.

Die Devise für gezieltes Sozializing lautet also: Geh einkaufen! Die Devise für gezieltes Einkaufen lautet: ääh, keine Ahnung.

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2 Antworten zu „Supermarkt-Sozializing“

  1. Martin schrieb

    am 3. Dezember 2008 um 15:25:

    Ihr Norddeutschen (Schleswig-Dingsda) seid nur so verschrien, weil wir Norddeutschen (Niedersachsen) tatsächlich so sind, wie man uns nachsagt … Und der wahre Grund ins Kaufland zu gehen ist übrigens: Poker spielen. Abends zwischen 8 und 10, damit die Mitarbeiter nicht so allein sind. Frag mal den Pudo!

  2. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 4. Dezember 2008 um 13:36:

    Das wär’s noch. Pokern im Kaufland. Ich bin froh, wenn das Pokerspiel um die niedrigen Preise noch mit fairen Regeln zuende geht :)

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