Typisch norddeutsch: Boßeln
| Sonntag, 12. April 2009, 19:24
Es wird wieder warm,tut aber nix zur Sache. Am Deich könnte man folgender Beschäftigung auch zur kalten Jahrenzeit nachgehen. Aber dazu später.
Es geht ums Boßeln. Das ist eine Sportart, die in starker Ausprägung in den nördlichen Gefilden von Deutschland zu finden ist, Aber auch in Holland, Italien oder Irland vertreten ist. Beim boßeln geht es darum, eine Spielkugel in möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Distanz zu bringen. Es gibt direkte Duelle zweiter Teams oder auch noch mehr Mannschaften. Die Distanz kann sich durchaus über mehrere Kilometer erstrecken. So kommt dann auch jeder Spieler mehrfach zum Zug. Wichtig: Beim Boßeln werden die Kugeln gerollt! Anders als beim Kloatscheeten, also Kugelschießen, wo die Kugeln durch die Luft fliegen. Die Spielkugeln sind zu Plattdeutsch die Boßeln. Die Boßeln gibt es von 7,5 bis 12 cm Durchmesser und von 600g bis 1,2kg. Früher waren sie aus schwerem harten Holz gearbeitet. Heute gibt es zumeist Kunststoff oder Gummiboßeln.
Um die Boßelkugel möglichst weit zu schleudern bedarf es einiger Übung. Hier hat jeder so seine Tricks. Vergleichbar mit jeder anderen Ballsportart kann man seiner Kugel Drall geben, övert Finger, övert Dum oder einfach liek ut Hand rollen lassen, sie mit unterschiedlichem Anlauf auf die Reise schicken oder oder oder. Wenn man die Straße richtig lesen kann, ist vieles möglich. Wie gesagt, da hat jeder so seine Geheimtricks.
In der Serie typisch norddeutsch leisten die Brandungskieker Aufklärungsarbeit. Schubsen die Norddeutschen Kühe? Was bedeutet eigentlich dieses “Moin”? Hier klären wir Euch über Klischees und Mythen rund um die Nordlichter und Fischköppe auf.
Und natürlich darf der Spaß an der Sache nicht fehlen. Da Boßeln Teamsport ist, man also immer in einer geselligen Runde unterwegs ist, darf ein bisschen Treibstoff nicht fehlen. So werden dann gerne regionaltypische alkoholhaltige Getränke verteilt. Die gute Stimmung ist damit sicher.
Ach ja, und um das ganz nicht zu leicht zu machen, nochmal zurück zum Eingangssatz. Klar, wenns warm wird am Deich lässt es sich auch Ball spielen. Aber wir wären ja keine hartgesottenen Nordlichter, wenn wir erst bei Sonnenschein aus dem Löchern kommen. Bevorzugte Boßelsaison ist der Winter bzw. der frühe Frühling mit unter 0 Grad °C. Das hat den einfachen Grund, dass dann die Bäche am Wegesrand vereist sind und die Boßel leichter wieder rauszufischen sind. Falls doch mal eine Boßel baden geht, hat man einen Klootsoeker oder Kraber (ein spezieller Kescher) Aber im Sommer den Touris die Klooten an Kopp scheeten gibt halt auch immer bannich Ärger.
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