Call a bike – nur wie?

von Leichtmatrose Hannes | Dienstag, 30. Juni 2009, 22:23
Foto: DB AG/Stefan Warter

Foto: DB AG/Stefan Warter

Man läuft durch Berlin und fällt fast drüber. Irgendwie stechen sie einerseits durch ihr unkonventionelles Design hervor, andererseits fällt es auf, wenn man an fast jeder Straßenecke das gleiche Modell steht: Die Ruf-mich-an-und-miet-mich-Fahrräder der Bahn. Was man genau anrufen muss, damit man losradeln kann, hab ich im Selbstversuch getestet.

Zu erst Bemerkenswert oder besser selbstverständlich? Man kann die Karren leihen, ohne auch nur mit einem einzigen Menschen gesprochen zu haben. Wenn man sich natürlich dämlich anstelle, wie ich zuerst, dann kommt man doch mal mit der Hotline in Kontakt und wundert sich anschließend über die Gebühren der teuren 0700er-Nummer.

Um mich mit dem System bekannt zu machen habe ich jedenfalls den Weg der online-Anmeldung gewählt.

Man entkleidet sich mit den üblichen Fakten: Name, Adresse und Mobiltelefonnummer. Letztere ist wichtig, weil sie zur eigenen Identifikation “im Feld” dient. Direkt bei der Anmeldung hat man die Auswahl zwischen mehreren Tarifmodellen mit und ohne Grundgebühr. Der Preis ist der erste Haken: Auch der Tarif ohne Grundgebühr kostet sofort 5 Euro Startgebühr, die mit den Fahrten verrechnet werden. Die Miete der Räder kostet 9 Cent pro Minute (!), als BahnCard-Inhaber 6 Cent. Kein billiges Vergnügen. Meine fröhliche erste Runde dauerte gut 1,5 Stunden und kostete mich somit glatt 5,70 Euro. Für den Preis verleihen andere ihre Räder schon zwei Tage.

Foto: DB AG/Michael Rauhe

Bike in Frankfurt am Main. Foto: DB AG/Michael Rauhe

Solls nun losgehen, muss man zunächst ein Callabikebike finden. Diese stehen entweder an jeder Straßenecke oder man wirft einen kurzen Blick auf die Website, wo auf einer GoogleMaps-Karte alle abgestellten Räder eingetragen sind. Das Fahrrad hat einen Minicomputer am Hinterrad befestigt, der den Schlossmechanismus bedient. Auf diesem Computer steht eine Telefonnummer, die nur diesem Bike zugeordnet ist; diese ruft man an (und nicht wie ich beim ersten Mal die 0700er Nummer). Drückt man die 1 erhält man einen Freischaltcode. Diesen gibt man wiederum auf dem kleinen Computer ein, der das Schloss entriegelt und los geht’s.

Hat man seine Tour beendet, stellt man das Rad im Kernbereich an einer Kreuzung ab, schiebt den Riegel zwischen die Speichen und ruft die gleiche Nummer wieder an. Am Telefon gibt man nun einen Rückgabecode ein, den der Minicomputer ausgibt, nachdem man das Rad wieder abgeschlossen und die Rückgabe quittiert hat. Anschließend spricht man der Zentrale noch die zwei Straßennamen der Kreuzung aufs Band, an der man das Rad abgestellt hat. Die Kostenuhr steht jetzt wieder still.

Geniale Erfindung? Naja, teilweise.

Toll

  • Die Vorteile sind mir erst nach der zweiten Nutzung klar geworden. Man läuft durch die Stadt. Nimmt man jetzt S- und U-Bahn mit zweimal umsteigen? Oder fährt man die 1,5km eben schnell mit dem Rad? Ich würde letzteres immer bevorzugen. In Berlin stehen die Bikes wirklich an jeder Straßenecke, zumindest im Bezirk Mitte (dazu, siehe auch die Nachteile). Wenn man nicht Besitzer einer Monatskarte ist, kann 15 Minuten Radfahren günstiger sein als eine ÖPNV-Fahrkarte.
  • Die Fahrräder sind in einem durchschnittlichen bis guten Zustand und haben eine gute Ausstattung. Man kann also in der Tat flott mit ihnen voran kommen.
  • Eine umweltschonende Alternative zum Auto und eine angenehme Alternative für ÖPNV-Muffel, wie mich.

Doof

  • Die Räder sind nur im Kerngebiet der Stadt verfügbar. In Berlin umfasst das Kerngebiet die BVG-Zone A.
  • Komm bloß nicht auf die Idee, das Rad außerhalb des “Kerngebiets” abzustellen! Stellt man es außerhalb ab, kassiert das “Service”-Team der Bahn für den Rücktransport bis zu 20 Euro.
  • Das Preismodell eignet sich nicht für lange Touren.
  • Man braucht ein paar Übungseinheiten, bis die Entleihung und Rückgabe geschmeidig von der Hand gehen. Ich hab mich mehrfach verhakt mit der Reihenfolge von Schloss einstecken, irgendwelchen Codes anfordern, eingeben usw.
  • Die große aufgedruckte 0700er Telefonnummer lädt dazu ein, sie anzurufen. Das kostet aber.

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2 Antworten zu „Call a bike – nur wie?“

  1. Chris schrieb

    am 18. Juli 2009 um 10:29:

    Guter Beitrag! In München hat Steffi die Räder auch gerne genutzt. Ich muss gestehen, ich hab den Sevice schon das eíne oder andere Mal aus dem Biergarten nach Hause genutzt. Allerdings haben wir uns jetzt entschlossen ihr ein funktionierendes Besucherrad zu kaufen, Was mit 25 Euro nach dem Tarif Modell des Call-A-Bike schnell wieder reingefahren ist!

  2. Leichtmatrose Hannes schrieb

    am 20. Juli 2009 um 14:10:

    Ja, für häufigere Nutzung ist der Kauf wohl wirklich die bessere Wahl.
    In Berlin hab ich allerdings manchmal die Situation, dass ich mit der Bahn losgefahren bin und dann von einem Ort zum anderen mit dem Rad schneller bin, als mit der U-Bahn. Da ist so ein Service dann klasse, dass man das Bike an einem fast beliebigen Ort wieder abstellen kann.

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