Segelkurs, Teil 1

von Leichtmatrose Hannes | Dienstag, 22. September 2009, 14:22
Kategorien: Segelkurs

Ihr Blick war etwas unverständlich, als ich meiner Friseurin erzählte, dass ich segeln war, und eigentlich keine Probleme mit meiner Körperhöhe hatte. Joa, naja, man muss halt etwas aufpassen, dass einem nicht irgendwelche Schoten oder der Großbaum gegen die Rübe knallt. Aber das meinte sie offenbar gar nicht. Ob ich denn ausreichend Platz in den Kojen gehabt hätte. Aha! Ich verstehe – also gut, vorweg: Wenn man segeln lernt, dann nicht auf einer großen Segelyacht mit Kajüte, Kombüse und Kojen.

In der Segelschule Bennewitz in Heiligenhafen geht‘s los auf kleinen Segelbooten vom Typ „Menhir“, so genannten kleinen Kielschwert-Slups. Die haben zwei Segel (Vor- und Hauptsegel), sind agil, kentern nicht und eignen sich sehr gut für Anfänger. An Bord gehen maximal 4 Personen – und dann ist es schon recht eng. Wir wurden gleich am ersten Tag ins kalte Wasser gestoßen. Nein, falsch – in die unbehissten Boote. Ohne Theorie – das sonnige und windige Wetter lud dazu ein. Learning by doing.

Die Truppe macht die Boote klar

Die Truppe macht die Boote klar

Etwas wackelig auf den Beinen hieften sich etwa 15 Jungsegler auf die Boote. Zuvor wurden wir in den Schuppen geschickt um zwei Segel aus den Fächern „Groß, normal“ und „Fock, normal“ zu holen. Nächste Aufgabe: Segel hissen. Tja, nur wie? Eine schnelle Begriffs- und Bindekunde folgte und ehe wir uns versahen, hatten fünf Menhire strahlend weiße Segel gehisst.

Die Segelschule Bennewitz liegt direkt seeseits vor der Heiligenhafener Mole. Vom Schlafsaal muss man nur zweimal hinfallen, um an der Frühstücksbank zu sitzen und von dort aus kann man schon zum Steg spucken, an dem alle Segelboote festgemacht sind.

Jenen Steg sollten wir an dem Nachmittag nicht mehr sehen. Bei schönstem Wetter ging es los in die Bucht, um dort die ersten Manöver zu lernen. Unser erster Joker: Die Wende. Mir war zuvor zwar schon irgendwie bewusst, dass man auch gegen den Wind segeln kann. Nun aber komplettierte sich diese wage Annahme zu mehreren handfesten Manövern. Was für ein Spaß und was für Wetter!

Meine Wenigkeit am Ruder. Im Hintergrund die Mole

Meine Wenigkeit am Ruder. Im Hintergrund die Mole

Also, eigentlich ist segeln doch gar nicht so kompliziert. Dachten wir – bis das Kommando zum Anlegen kam. Und eines sei vorweg gesagt: Den perfekten Anleger hat bis zum Schluss des Kurses niemand geschafft. Was ist daran so kompliziert? Nunja, ein Boot ohne Motor muss vor den Steg gefahren werden und nicht an den Steg. Sprich, irgendwie muss dieses Manöver auch ohne bremsenden Motor zu bewerkstelligen sein. Die Lösung: Mit 90 Grad zum Wind an den Steg heran fahren und am gewünschten Parkplatz das Boot schnell um 90 Grad drehen, um gegen den Wind langsam an den Steg heran zu treiben.

Gemeinsames Mahl

Gemeinsames Mahl

Nachdem alle mehr oder weniger sanft angelegt, ihre Segel eingeholt und sich wieder an Land gemacht hatten, kam die Feriencamp-Stimmung auf. Gemeinsames Kochen, viele Gespräche (erste Fachsimpeleien „vorne an der weißen Boje kannste Schwer ganz runter machen aber Vorsicht, wenn Du die Fahrrinne verlässt“) und das eine oder andere Bierchen. Und ehe man sich versah, waren die meisten schon in ihren Landkojen verschwunden. So ein Tag macht müde.

Fortsetzung folgt.

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