Segelkurs, Teil 2

von | Montag, 5. Oktober 2009, 16:48

Wie lernt man segeln? Indem man es tut. Die Tage verstrichen im Nu. 8 Uhr Frühstück, 9 Uhr Einteilung auf die Boote, bis 12 Uhr segeln, bis 13 Uhr Mittagspause, dann bis 16 Uhr segeln und anschließend bis 18 Uhr Theorie bei Ralf.

Die Gummiwurst

Die Gummiwurst

In den Pausen ließen wir uns von den Fachsimpeleien anstecken und konnten den Profis beim Segeln zusehen. Den einen Tag fuhren Hobbit und Sonja mit einer Gleitjolle raus. Kaum waren sich außer Sichtweite wurden sie und wir von einem Unwetter überrascht. Es zog auf einmal völlig schwarz zu, Weltuntergangsstimmung machte sich breit. Es folgte ein Spektakel! Man war sich zunächst unsicher ob man den beiden zur Hilfe kommen müsste. So eine Jolle kentert sehr schnell und bei Sturm auch auch gerne mal durch. Dann rannte Florian doch los zum “Gummiwurst” genannten Schlauchboot, um mit Highspeed der Jolle in der nächsten Bucht zur Hilfe zu kommen. Wenig später sah man auf einmal den Seenotrettungskreuzer “Heiligenhafen” unter Blaulicht den Hafen verlassen – was war passiert? Später stellte sich heraus, dass eine vorbeifahrende Yacht die tatsächlich gekenterte Jolle gesehen und die Seenotrettung alamiert hatte. Florian war allerdings schneller da als die “Heiligenhafen”.

Die Heimkehrenden. Im Hintergrund zieht das Unwetter von Dannen

Die Heimkehrenden. Im Hintergrund zieht das Unwetter von Dannen

Kurze Zeit später verzog sich das Unwetter wieder und die Schiffbrüchigen segelten friedlich, beinahe bei Flaute, zurück in die Bucht und bescherte allen Bangenden einen traumhaften Blick auf das heimkehrende Boot.

Die folgenden Tage perfektionierten wir unsere Segelkünste. Ich versuchte eine “Möwe” einhand, das heißt alleine, zu segeln. Klappte prima! Eigentlich noch viel besser, als zu zweit. Muss man sich nämlich nicht mit irgendwelchen lästigen Kommandos herumschlagen. Die nächste Ausbaustufe war dann alleine segeln ohne Ruder! Nur durch Segelstellung und Gewichtsverlagerung. Ist schwierig, funktioniert aber.

Ja, und zum Schluss kam dann noch das große Bangen, ob ich meine Prüfung denn überhaupt machen darf. Wir hatten zum Glück einen sehr freundlichen Prüfer aus Heiligenhafen, der alle Prüflinge am Donnerstag schon theoretisch abnahm. Ich sollte abends dann schon meine praktische Prüfung machen, alle anderen dann am Folgetag. Tja und während ich noch beim Schreiben der Theorieprüfung war, zog es sich zu. Es kündigte sich ein Unwetter an, wie wir es ja schon ein paar Tage zuvor kennengelernt hatten. Das Unwetter kam dann auch. Mit Platzregen, Gewitter, Sturm, Hagel und allem was dazu gehört. Zum Glück waren es Schauer, die mir eine Pause boten, in der ich schnell meine Prüfungsrunde auf Segelboot und Motorboot drehen konnte: Ablegen, eine Halse fahren, Boje-über-Bord-Manöver, Wende fahren, zurück zum Steg kreuzen und wieder anlegen. Anschließend Motorboot: Ablegen, Boje-über-Bord-Manöver, Anlegen. Alles ging gut und zehn Minuten hatte ich strahlend meinen Lappen (ein echter Papierführerschein!): Den Sportboot-Binnen-Führerschein in der Hand!

Den anderen erging es weniger gut, als mir. Als wir alle am nächsten Morgen aufstanden, ich schon mit gepackten Sachen, aus dem Schlafsaal krochen, war das Wasser weg. Kein Scheiß! Der Sturm hatte die ganze Nacht lang gewütet und das Wasser komplett aus der Bucht gedrückt. Alle Boote lagen auf Grund und waren zum Teil zur Seite gekippt. Lediglich die ausgebuddelte Fahrrinne und das Hafenbecken hatten noch Wasser! Sowas hatte hier noch niemand erlebt – nicht in dem Ausmaß!

Und plötzlich ist das Wasser weg.

Und plötzlich ist das Wasser weg.

Ich erfuhr am Abend per SMS, dass alle anderen ihre praktische Prüfung ebenfalls bestanden hatten. Und zwar im Hafenbecken ohne Vorsegel! :-D

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eine Antwort zu „Segelkurs, Teil 2“

  1. kabelsatan schrieb

    am 10. Oktober 2009 um 11:08:

    Gratulation! Und nun? Kaufst du dir sicher ein Segelboot?

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